Vor der Suche und nach der Suche – bist Du

von | Feb 2, 2021 | SEIN | 0 Kommentare

Vor der Suche und nach der suche ... - anhören

von Ich.Selbst.Sein.

Ich liebe die deutsche Sprache und ich spaziere durch sie wie durch mein Wohnzimmer. Und dennoch gibt es keine Worte, die beschreiben können, was es heißt „da“ zu sein. Anwesend in allem, was mir widerfährt. Es ist deshalb so schwer zu erfassen, was es bedeutet, weil jeder Mensch glaubt, er wäre anwesend, was er ja auch ist! Der Unterschied ist nur graduell.

Ab einem gewissen Anwesenheitslevel hat man einfach kein Problem mehr mit sich selbst, auch wenn man Probleme hat. Wenn schon meine anspruchsvollen Texte das nicht klar machen können, dann sage ich es jetzt in aller Einfachheit: Erwachen bedeutet nicht auf ewig glücklich zu sein, sondern kein Problem mehr mit seinem Unglück zu haben.

Und das „kein Problem mehr damit haben“ ist die Entspannung, in der alles genau so auftauchen kann, wie es auftaucht. Ohne manipuliert zu werden, weil es so, wie es ist, nicht sein soll.

Die Höhen und Tiefen des Lebens

Auch ich habe, wie so viele andere Menschen gerade, existenzielle Probleme und bin keine Traumtänzerin, wie mir manchmal unterstellt wird, nur weil ich das Leben oft aus einer sehr weiten Perspektive beschreibe. Ich stehe mitten im Leben mit all seinen Höhen und Tiefen.
Es gibt keinen Weg ins Glück. Glück ist der Weg. Und das bedeutet, das Unglück genau so offen zu erleben wie das Glück.

Sich da hinein zu entspannen, die Unausweichlichkeit und damit die Wirklichkeit des vorherrschenden Empfindens anzuerkennen, schafft die Entspannung, derer es bedarf, um das Leben so zu nehmen, wie es ist. Dann hat das „Ich sollte mich anders fühlen …“ ausgedient und wird als der eigentliche (egoische) Widerstand gegen die Wirklichkeit meiner Gefühle erkannt – und damit als die Ursache von Druck und Stress und an sich selbst leidendem Unglück.

Und dann öffnet sich der Blick für das Wesen der Dinge. Dann wird deutlich, dass das Leben in Zyklen, in Rhythmen stattfindet, dass es ein Pendeln ist zwischen den Polen. Zwischen Tag und Nacht, Dynamik und Entspannung, Einatmen und Ausatmen …

Panta Rhei – alles fließt

Nichts bleibt wie es ist, egal wie es ist. Der Tag geht, die Nacht kommt, der Tag kommt, die Nacht geht. Jetzt sitzt Du am Küchentisch, jetzt bist Du im Wohnzimmer, jetzt nimmst Du den Schal, die Mütze und verlässt das Haus …

Das Kommen und Gehen ist ein Wunder und tröstlich zugleich. Es findet vor dem Hintergrund der Stille statt, denn Dein Blick ist die Stille, in der alles gesehen wird. Alle Gefühle und Gedanken, alle Situationen kommen und gehen, und Du, als der oder die Erlebende dessen, bleibst darin immer anwesend. Wie das Licht Bestandteil aller Farben ist. Auch wenn es in seiner Reinheit und Transparenz nicht mehr wahrgenommen wird.

Sobald der Zwang der Verurteilung sich legt, hast Du den Blick frei für die Dinge, wie sie sind. Ja, es tut gerade weh, ja Du fühlst Dich gerade schwach, ja Du weißt gerade nicht weiter und hast Angst. So ist es. Mach nichts damit, lass es da sein, dann geht es auch wieder, weil es von etwas anderem abgelöst wird. Nur Deine Einmischung als Widerstand gegen diese Wirklichkeit verhindert die Wahrnehmung dessen, was Du aus der Situation heraus brauchst. Wenn Du Dich schwach fühlst, brauchst Du Erholung. Wenn Du allein sein willst, sagst Du Termine oder Treffen ab.

Aus Deiner Wirklichkeit kommen wirkliche Antworten

Je kompromissloser Du Dir zuhörst und aus Deiner Wirklichkeit heraus handelst, um so klarer und einfacher wird Deine Innenwelt. Das heißt es Dir zu folgen. Von hier aus klärt es sich in Dir, und nicht, wenn Du versuchst einer Vorstellung von Dir als angstfreiem, stabilem, tatkräfigem, wissendem, glücklichem, kompetentem Menschen zu folgen.

Hier gibt es nur ein Folgen und kein „Ego“, das sich künstlich daneben stellt und spekuliert, ob das, was Du gerade fühlst und denkst und entscheidest „richtig oder falsch“ ist. Nein. Du folgst Deiner inneren Wirklichkeit und so stellt sich die Ordnung in Dir ein, wie sie Dir entspricht. Du stimmst mit Dir überein. Hier kommt noch nicht mal die Frage an ein Ego oder einen Handelnden, Lassenden oder einen Beobachter auf. Du fühlst und siehst Dich jetzt. Und stellst Dich nicht dagegen. Das ist nicht nur klug, sondern auch gesund.

Eine Wut, die heruntergeschluckt wird, ist wie ein Gewitter, das sich nicht entladen kann. Sowas kommt in der Natur nicht vor. Wenn polare Kräfte aufeinanderprallen, dann knallt es. So einfach ist das. Und in uns ist es ebenso. Wenn wir aber diese Stürme unterdrücken, kann die Energie nicht fließen und sucht sich einen anderen Weg. Und das wird dann bald ungesund. Je mehr die Wut unterdrückt wird, um so mehr staut sie sich als innere Blockade auf und gibt uns irgendwann das Gefühl, die ganze Welt zu töten, wenn wir auch nur ein Jota davon herauslassen würden.

Und das schürt wiederum die Angst vor uns selbst und der Gewalt, die da lauert. Die Gewalt aber entsteht nur dort, wo schon sehr, sehr lange Wut unterdrückt wurde – wenn immer wieder die Entscheidung gefällt wird sich gegen sie zu stellen, weil sie nicht sein darf.

Circulus viciosus- Ein Teufelskreis

Ein fataler Teufelskreis, der nur mit dem Mut gelöst werden kann sich das Quäntchen Wahrheit zuzugestehen, das gerade möglich ist. Den Wasserhahn wenigstens tropfen zu lassen, wenn er schon nicht laufen darf. Und sich nach und nach auf diesen Prozess einzulassen und mitzubekommen, wie das Wasser von selbst zu fließen beginnt, wenn es nicht gehindert wird.

Energie, die ungehindert strömen kann, ist wie die Flüsse, die in Einklang mit der Landschaft fließen und irgendwann unweigerlich ins Meer münden.

Das Leben ist eine so unbändige, wilde Energie, so klar, deutlich, und schön! Die Natur ist der beste Ort, um sie zu erkennen und ihre Kompromisslosigkeit, Folgerichtigkeit und ihr einfaches Sosein zu erfahren. Um die Wirklichkeit Deines transparenten Ursprungs als Gewahrsein und damit als die viel zitierte stille Anwesenheit zu erfahren, ist es unabdingbar nichts von Dir abzutrennen. Du als wache Anwesenheit in den Stürmen und Wüsten, den Oasen, Wäldern, Steppen und Tälern Deines Lebens fühlst Dich durch Deine Farben, durch alle Facetten des Lichtes, das Du bist.

Die Illusion der Erscheinung als Trennung im Einen

Deshalb ist es sinnlos von der Illusion der Erscheinung zu sprechen und Deine Gedanken und Gefühle von Dir abzuspalten. Das ist so, als wollte der Himmel sich von den Wolken trennen, weil er sie als etwas anderes als sich selbst empfindet. Dabei sind Wolken nichts anderes als Himmel in Form … Und somit sind Deine Gedanken und Gefühle nichts anderes als formlose Anwesenheit in Form – InFormation. Das ist, was sie sind. Wolken sind die Information des Himmels über sein momentanes Empfinden. Regenwolken bleiben dabei genauso unkommentiert wie Schäfchenwolken.

Lass Dich sein. Immer wieder. Lass Dich ein auf den tiefen Prozess der Selbsterkenntnis, des Selbstflusses, des Fließens. Lass Dich anziehen von Dir als dieser Lebensfluss, der nichts anderes will als sich zu erfahren auf seinem Weg zum Meer. Er genießt den wilden Ritt durch alle Landschaften, denn in der Abwechslung erfährt er all das, was ihn ausmacht. All die Freude eines nach unten stürzenden Wasserfalls, all das Schlängeln durch die Windungen einer Gebirgsschlucht, er erfährt ein austrocknendes Flussbett genau so, wie den Regen, der es wieder anfüllt. Er ist immer der Fluss. In jedem Wassertropfen, das ihn zum Fluss macht.

Auf einer reingeistigen Ebene, die genauso ihre Wirklichkeit hat wie die zutiefst materielle Ebene, können wir erkennen, dass wir weniger Substanz haben als ein Windhauch. Dass das Leben, das wir erfahren, eher dem bunten Aufblitzen schillernden Lichts gleicht als dem greifbaren Erleben von Geburt und Tod. Und, ja, somit können wir von der Illusion sprechen, die das Leben und alle Erscheinung ist.

Und doch müssen wir tiefer blicken, um in die Nähe dessen zu gelangen, was Wahrheit ist.
Dann sehen wir, dass es das Licht ist, das sich selbst als Geburt und Tod erfährt. Wir können keine Trennung machen, weil es sie nicht gibt. Deshalb gibt es Dich als greifbare Erscheinung in Deiner formlosen Anwesenheit. Genauso, wie Du jetzt bist. Und nur das zählt. Das ist die Unausweichlichkeit Deiner Existenz. Hier hört die Suche nach etwas anderem auf.
Weil Du es schon bist.

In Verbundenheit, Nicole

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