Die Fremde in Dir

von | Jan 24, 2021 | SEIN | 1 Kommentar

In Wirklichkeit gibt es nichts Fremdes in Dir. Egal was Du denkst und fühlst, es bist immer Du. Ob es konditionierte Inhalte sind, die sich durch Dich erfahren oder freie, inspirierte Gedanken – es bist immer Du. Es gibt nichts, wovon Du Dich trennen könntest. Du bist alles. Die Farben können sich nicht vom Licht trennen. Das Wasser nicht von seinen Molekülen. Du kannst Dich nicht von Deinen Gedanken trennen, und auch nicht von Deinen Gefühlen. Aber Du kannst gegen Dich kämpfen, indem Du manchen Gedanken und Gefühlen Deine bewusste Wahrnehmung vorenthältst. Dann fallen sie in den Schatten Deines Lichts.
Und sind dennoch da.

Das, was man oft Gewahrsein nennt, erfährt die dunklen Gedanken, die im Schatten Deiner Aufmerksamkeit liegen. Dort wirken sie auf Dein gesamtes, formelles System. Auch wenn Du es nicht bewusst mitbekommst. Darin taucht alles auf, was ist. Und was ist, wird davon bestimmt, wo Deine Aufmerksamkeit hinfällt und aus dem Wahrgenommenen die Schlüsse zieht, die zu Deinem speziellen  Hinsehen und Nichtsehenwollen passen. Alles wird von Resonanz bestimmt.

All die Kellergedanken, all die Höllengefühle, die nicht ins Licht dürfen – sie tun dennoch ihr Werk. Und Du fühlst es als Verwirrung oder Unverständnis über Dein Verhalten. Was sie von der Sonne Deiner Aufmerksamkeit trennt, ist Angst. Wenn Du etwas nicht fühlen willst, ist Angst die Mauer, die Deine bewusste Wahrnehmung von der Information des Gefühls trennt, indem diese sich die Angst wie einen Handschuh anzieht. So eng, dass sie vergisst, dass sie nicht der Handschuh selbst ist. Und jetzt tut Dein Verstand alles dafür, dass Du weder die unliebsamen Gefühle, noch die Angst direkt fühlst.

Sucht ist eine permanente Ablenkung

Dann isst Du zu viel oder zu wenig, oder gehst in die Spielhalle, kaufst Dir was oder verlierst Dich in Gedankensystemen, die Dich den Kontakt zu Deiner Gefühlswelt verlieren lassen. Du tust etwas, das stark genug für Dich ist, um Deine Aufmerksamkeit, die mit der Angst verschmolzen ist, auf etwas anderes zu lenken.

Dieses Andere ist dann das, was zur Sucht führt. Sucht ist eine permanente Ablenkung von einem Gefühl, das Du nicht fühlen willst. Sie ist das Gegengewicht dazu. Die ungesehenste darunter ist die Sucht, die Aufmerksamkeit auf sich selbst aufrufende Erklärungsmodelle zu richten. Gedanken also, die Dir Vorschläge machen, wie Du Dich und die Welt sehen kannst oder sollst. Je weniger Du in Kontakt mit Dir als offener Wahrnehmung bist, um so mehr glaubhafte Ideen generieren sich, um dem Orientierung Suchenden der Angst in Dir zu entsprechen. Du verstrickst Dich in Deinen Konzepten über Dich und die Welt und hältst Gedanken für glaubhafter als die direkte Erfahrung dessen, was Du fühlst. Dann lebst Du nur noch im Kopf, weil Dich die Angst in den Gedanken festhält, denn dort ist ihre Heimat.

Das, was mich auszeichnet und was ich schon früh verstanden habe, ist, dass ich keine Angst vor meinen Gefühlen habe. Natürlich habe ich Freude lieber als Schmerz. Aber ich wende mich nicht ab, wenn es weh tut, wenn es leer ist, ängstlich, zweifelnd, sinnlos oder allein. Jedes Allein darf ans Licht und sich darin in allen Facetten zeigen. Jede Angst darf mich durchschütteln, in die Enge treiben und panisch werden lassen, wenn sie denn kommt. Jede Wut darf mich passieren wie ein plötzliches Gewitter und sich entladen im Raum meiner Anwesenheit. Ich halte nichts zurück.
Ich bekomme alles mit. 

Leben ohne Ballast

Vielleicht ist es deshalb so, dass ich sehr schnell wieder leicht bin, wenn es in mir schwer war – weil ich nichts über seine Dauer hinausziehe. Die Dauer verkürzt sich sogar, je schneller ich wieder auf mich aufmerksam werde. Als Anwesenheit selbst bin ich eine formlose Gestaltwandlerin, die ihre angenommenen Formen wie lebendige Farbtöne erlebt, die durch sie wirken. Jedes Gefühl, jeder Gedanke ist die Information über mich selbst, die jetzt sichtbar wird.

Hier gibt es keine Ideen und Konzepte darüber, wie ich zu sein habe. Welche Farbtöne sein dürfen und welche nicht. Ich nehme meine Hindernisse genauso wahr wie meine Qualitäten. Ich erleide mich und ich erfreue mich. Darin bin ich wach als Anwesenheit. Und nicht davon separiert. Deshalb gibt es in mir keine Fremde, keinen Ort ohne mich. Ich spalte mich nicht auf in Gebiete, die zu meiden sind, und in Gebiete, die erstrebenswert sind. Ich habe keine Luxusgegend und kein Ghetto einer Präferenz. Das ist meine Freiheit. Mich angstlos in allen Facetten, die sich zeigen, zu erleben. Denn ich bin es, Bewusstsein selbst, das in allem sich selbst erfährt und daher von nichts getrennt ist. Das kann ich – Bewusstsein – erkennen, wenn ich mich als Hiersein in Allem wahrnehme.

Es gibt keinen Ort, an dem Wahrnehmung oder Bewusstsein nicht ist. Es zeigt sich mal als Frieden und mal als Krieg. Mal als Horror und dann wieder als Poesie. In Wirklichkeit gibt es kein Unterbewusstsein. Oder Unbewusstsein. Es ist ein Tanz, den der Lichtkegel Deiner Aufmerksamkeit tanzt, der direkt an das formlose Gewahrsein angeschlossen ist. Der im Grunde nichts anderes ist als dessen Bewegung hier und jetzt. Hier und jetzt gibt es nur das, was erscheint. Die Harmonie der Bewegung des Gewahrseins hängt davon ab, wie klar, offen und entspannt sie auf sich selbst ausgerichtet ist.

Bewegung in der Stille

Wie sehr Du also mitkriegst, dass Du da bist. Um so mehr kann sich die bewusste Wahrnehmung selbst in Dir begegnen und darin als ewiger Urknall immer wieder jetzt in den Wahrnehmungsraum Deines Lebens brechen. Die Liebe, Schönheit und Klarheit dessen, was Du als Dich selbst und die Welt erlebst, hängt von der Konfiguration Deiner Wahrnehmungsmöglichkeit ab. Danach richtet sich das, was Dir auffällt, was Du erkennst und schlussfolgerst. Es ist ein reines Spiel der Anziehung und Abstoßung innerhalb Deines Wahrnehmungssystems.

Wenn sich stille Wahrnehmung durch Dich als bewegte Aufmerksamkeit begegnen kann, dann entspricht sie sich selbst als die Farbe, als die Du in ihrem Lichtspektrum erscheinst. Sie strahlt durch Dich als der spezielle Mensch der Du bist, wenn Du Dich ganz als der Mensch entspannst, der Du bist. Dann ist die formlose Wahrnehmung, die Du grundlegend bist, entspannt genug, um sich in allen Facetten Deiner Gedanken und Gefühle wahrzunehmen, und trifft als sich selbst wahrnehmende Anwesenheit in Dir als Du zusammen. Sie ist es, die den Vogel am Himmel hält. Sie ist es, die Dich trotzdem gücklich sein lässt, selbst wenn Du nicht an das Glück glaubst.

Hier gibt es keine Grenzen, keine Mauern, kein „Das ist falsch an mir“. Je weniger verbotene, verachtete, angezweifelte Gebiete es in Dir gibt, um so heller strahlen Deine Qualitäten, weil sie nicht mehr von Angst beengt werden. Weil sie Raum haben zu atmen, zu wachsen und sich zu entfalten – ohne einen Deckel, der sie ständig bezweifelt. Es ist der Zweifel, der gesehen oder ungesehen Deinen Lebensfilm bestimmt. Er bestimmt, wie deutlich der bunt schillernde Film auf dem Öl ist oder wie verschmiert. Er bestimmt, ob Du Dich überall zu Hause oder ständig in der Fremde in Dir wähnst. Auf dem andauernden Heimweg.

Radikal zu Hause

Du bist dann zu Hause, wenn Du einsiehst, dass jede, absolut jede Kritik an Deinen Gedanken und Gefühlen ein Hindernis ist Dich wahrzunehmen, wie Du als freie Anwesenheit bist. Eine freie Anwesenheit erkennt sich in allem Wahrgenommenen. Und somit in der Welt. Sie ist überall zu Hause, weil sie nichts anderem begegnet.

Je weniger Dir das bewusst ist, umso freudloser erlebst Du Dich. Dann geht es darum ganz klein anzufangen. So nah an Dir dran, wie es nur irgend möglich ist. Dann ist die kleine Pflanze der Liebe vielleicht noch ein Keimling, der sich nicht traut sich in einem vergifteten Klima der Selbstkritik zu zeigen. Alles braucht die Sicherheit einer Anwesenheit, um sich zu zeigen. Das ängstliche Kind zeigt seine Gefühle erst, wenn ein Erwachsener da ist, der es sieht, fühlt und lässt. Ohne es zu betexten und zu maßregeln. In Dir ist es nichts anderes. Dann hat Bewusstsein sich so angespannt, dass es als erhobener Zeigefinger erscheint, der Dich als Eigenheit übersieht und ständig unter Druck setzt anders zu sein, als Du Dich fühlst. Ein blinder Kampf gegen sich selbst. Wie eine Autoimmunkrankheit …

Erkenne das. Und entspanne Dich. Jeder Gedanke über Dich ist eine geistige Bewegung zu viel. Denn er trennt Dich vom Gewahrsein dessen, dass dieser Gedanke in Deiner Anwesenheit erscheint und Dir nichts anhaben kann. Du bist schon in Dir zu Hause. Zieh jetzt die Vorhänge auf und lass das Licht rein. Und sieh, dass es überallhin fällt. Auf die Blumen in der Vase genau so wie auf den Staub in der Luft. Das Licht des Bewusstseins liebkost alles, was in ihm erscheint, weil es sich selbst als ursächlich erkennt.

In Verbundenheit, Nicole

Danke!

Wenn Dich der Artikel inspiriert hat, freue ich mich sehr über den Ausdruck Deiner Wertschätzung mittels einer Spende.

1 Kommentar

  1. Heinz mecking

    Liebe Nicole, ich bin für alle FACETTEN im +/- LICHT meines scheinbaren zeitlichen Lebens in der “Jetzt” einmalig gefühlten Lebendigkeit, absolut dankbar und sage, “nicht immer aber immer öfter ” für alles was ich zu meiner ABSOLUTEN BEWUSST HEIT durch “GEFÜHLE” noch erfahren darf, DANKE! DANKE! DANKE! und immer wieder solange ich lebendig bin DANKE! DANKE!! DANKE!
    In Liebe Dein Heinz.

    Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.