Die größtmögliche Freiheit

von | Nov 9, 2020 | SELBST | 0 Kommentare

Gelingt es Dir, alles von Dir abfallen zu lassen, was Deine Aufmerksamkeit bindet, wirst Du still und aufnahmefähig. Dann verliert sich die Trennung zwischen „Dir“ und „Aufmerksamkeit“. Du bist das, was hier ist und wahrnimmt. Um das wahrzunehmen brauchst Du nur zu bemerken, dass Du da bist als das, was Aufmerksamkeit ist. Und dazu musst Du den Weg von dem, was Du siehst – hin zur Quelle Deines Blickes – zurückverfolgen. Mittels Deiner Aufmerksamkeit. Das ist der wahre und einzige Weg zurück zu Dir. Ganz einfach. Ganz unspektakulär, ganz praktisch.

Aufmerksamkeit, die auf sich selbst zurückfällt, ist sich selbst genau das, was sie ihrem Wesen nach ist. Aufmerksamkeit, die auf sich selbst zurückfällt, verbleibt als reine Anwesenheit. Hier und Jetzt. Als stilles Dabeisein bei allem, was sich zeigt. Als vollkommen offene, kommentarlose Empfängnis. Eine Empfängnis, die sich im stillen Hinsehen vollzieht. Reines Hinsehen, ohne sich vom Hinsehen abzuwenden.

Dieses Einsinken in sich selbst als Aufmerksamkeit, ist ein Sinken in das Mysterium, das Leben ist. Denn in diesem Sinken fehlt nichts mehr, weil es sich als alles erfährt. Alles, was in Deinem Blick oder Deinem Empfinden auftaucht, bist Du in anderer Form. Dein Anwesendsein durchdringt und umfängt alles, was in dieser Anwesenheit erscheint. Es ist nichts anderes als Du, weil alles nur in Deiner Anwesenheit stattfindet.

Alles ist Wahrnehmung

Es gibt nichts außerhalb von Dir als Wahrnehmung. Das ist eine sehr stille Erkenntnis, die dann eintritt, wenn Deine Aufmerksamkeit so frei ist, dass sie sich erlaubt einfach nur hier zu sein, ohne sich an eine Meinung oder Idee zu binden. Und einfach zu erwarten, was geschieht und im Geschehen dabei zu sein.

Wir sind es zutiefst gewöhnt zu sehen, was wir sehen. Das Blatt am Baum, das Auto auf der Straße, den Menschen vor uns. Doch unser Blick führt weg von uns als Quelle dieses Blickes. Und nur deshalb verlieren wir „uns“ im Gesehenen, weil unsere Aufmerksamkeit an das Gesehene gebunden ist und sich selbst dadurch nicht wahrnehmen kann. Wir sehen nur, was wir ohne uns als Quelle der Wahrnehmung sehen. Ein fehlendes Zentrum, dass sich im Gesehenen sucht, sieht die Dinge verzerrt.

Ein kommentarloser Stillepol, in dem alles auftaucht, was Du denkst, fühlst, siehst, schmeckst, riechst und hörst, erlaubt Dir erst, das Aufgetauchte als das wahrzunehmen, was es ohne Deine Meinung dazu ist. Einfach es selbst. Erst dann kannst Du in die wahre Beziehung dazu treten. Eine beziehungslose Beziehung, die wahrnimmt was ist, anstatt zu fordern, was nicht ist.

Lass Deinen Blick nach innen sinken. Verfolge zurück, wo er herkommt. Tief aus Dir, ohne einen Ort bestimmen zu können. Dort, wo dieser Blick herkommt, bist Du. Denn Du bist dieser Blick. Und nur der Blick, der um sich selbst als seine Quelle weiß, kann sehen.

Wahrnehmung, die um sich weiß

Nur der Blick, der sich selbst gilt, sieht alles. Erfährt alles, weiß immer alles über sich in höchster Gewissheit. Anwesenheit, die sich selbst wahrnimmt, schließt nichts mehr von sich aus. Weil sie um sich selbst als Anwesenheit weiß, als diese Unsagbarkeit, die nur ist, was sie ist: Hier. Einfach hier. Ohne den Grund dafür zu kennen. Als Grundlosigkeit, die aus sich selbst heraus entsteht.

Dieses Hiersein ist sich selbst so viel, dass es sich nicht mehr verlässt für ein Scheinwissen, das keines sein kann, weil es nicht von dort kommt, wo es entsteht, sondern einem Wegsehen entstammt, das sich selbst nicht sieht. Weil es unbemerkt glaubt, im (von sich selbst) Wegsehen etwas essenzielleres erfahren zu können, als im Hinsehen. Als im einfachen Anwesendsein in dem, was sich tatsächlich regt. Wegzusehen von sich, anstatt aus sich selbst herauszusehen, ist der einzige Grund für Selbsterniedrigung. Und im Gegenzug dazu auch für Selbsterhöhung.

Der Sog führt immer weg, er geht ins Wegsehen, er geht in eine Bewegung, die wegführt von der Quelle der Aufmerksamkeit. Die Aufmerksamkeit, die sich selbst verlässt, indem sie sich vom Sog nach Außen mitreißen lässt, ist eine Verselbständigung aufgrund einer Fehlwahrnehmung.

Diesem Sog zu widerstehen und die Kraft und den Mut zu entwickeln, wirklich als Aufmerksamkeit in sich selbst zu verweilen, und damit als reines Hiersein, ist alles, was es zu verwirklichen gilt, um dieses Leben in seiner Wahrhaftigkeit wahrzunehmen und ausdrücken zu können als das, was es hier ist. Nur das birgt in sich wirkliche Erfüllung.

Ohne Wissen um Dich als Wahrnehmung ist alles irreal

Alles andere ist eine Scheinrealität, eine Projektion der Hoffnung als Ergebnis einer Angst, die erst durch das Wegsehen entsteht. Angst, die eine Hoffnung produziert, die immer wieder enttäuscht werden muss. Ein blinder Mechanismus, der nichts anderes als die Hölle darstellt, in der wir gefangen sind.

Aufmerksamkeit, die in sich einsinkt, nimmt sich selbst wahr, erkennt sich als grenzenlose Anwesenheit, die nichts anderes will und zum Ziel hat, als anwesend zu sein und darin, in vollkommener Sicherheit entdeckt, was aus ihr selbst heraus entsteht. Es ist ein Wahrnehmen als Wahrnehmung selbst, die sich final als das Wahrgenommene wiedererkennt.

Hier liegt die größtmögliche Freiheit zu leben, was sich erleben will. Je wacher wir für uns selbst als wache Anwesenheit sind, um so freier, leichter und dieser Anwesenheit entsprechender ist das, was sich uns zeigt. Das ist die wahre Freiheit, die sich als und in der echten Magie des Lebens veröffentlicht.

In Verbundenheit, Nicole

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