Der Blick rein ist der Weg raus

von | Nov 2, 2020 | ICH | 0 Kommentare

Versuche nicht friedlich zu sein. Dieser Versuch verstärkt das Gefühl der Abgetrenntheit von Dir selbst, Deinen Gefühlen, anderen Menschen, dem Leben. Sei einfach präsent mit Deinen Gefühlen. Sieh sie nicht als Feinde, auch nicht als Freunde. Sieh sie lediglich als Wetterlage in Dir. Es regnet eben manchmal. Es schneit und stürmt auch manchmal. Es scheint die Sonne, so, wie es mal kalt und mal warm ist. Je weniger Du ein Problem mit Deinen Gefühlen hast, je weniger Du Dich gedanklich an ihnen „aufhängst“, um so weniger müssen sie sich Deiner
Wahrnehmung aufdrängen.

Das heißt, um so mehr kommst Du in Frieden in Dir. Lässt Du sie in Dir geschehen, präsent, also voll anwesend darin, ohne dich gedanklich mit ihnen zu beschäftigen – wieso, weshalb, warum?, dann gehen sie, wie der Regen auch von selbst aufhört. Und Du selbst bist in Frieden damit und in vollkommener Übereinstimmung mit Dir selbst als das, was in Dir geschieht und das, was dieses Geschehen erlebt.

Das setzt unendlich viel Kraft frei. Kraft, die Du zur Verfügung hast, um Dinge zu tun, die Du wirklich tun willst. Kraft, die Dir ein inneres Klima der Gelassenheit schenkt. Du befreist, simpel gesagt, Rechenkapazität in Dir, die Dir eine neue Wahrnehmung verschafft, weil Du nun neue Informationen aufnehmen kannst. Solche, die vorher keinen Ankerplatz in Dir hatten, weil Deine ganze Aufnahmefähigkeit davon blockiert war, dass Du in immer gleichen Bahnen denkst, indem Du Deine Probleme wälzt.

Das, was Dich im Unfrieden in Dir selbst hält, in diesem inneren Aufruhr – kurz- im Stress, ist lediglich die Sucht, Dir ständig Gedanken über alles zu machen, was Du denkst und fühlst aufgrund dessen, was Dir widerfährt. Sitz einfach in Deinem Garten und schau Dir Dein inneres Wetter an. Lass es geschehen und glaub nicht, dass Du mit noch mehr Gedanken, Gefühle wie Angst, zum Schweigen bringst. Das Gegenteil ist der Fall. Die allermeisten Menschen sind vollkommen uniformiert darüber, wie sie mit sich selbst umzugehen haben.
Weil sie den Verstand anbeten und keine Ahnung davon haben, dass das, was sie ausmacht, nichts mit Gedankenaktivität zu tun hat. Sie wollen das oftmals noch nicht mal hören, weil sie Angst haben, dass sie dann nicht mehr „sie selbst“ wären, wenn sie die Stille an sich heranlassen würden.

Es ist ein Jammer, dass die Mehrheit der Menschen ihre wahren Möglichkeiten verschenken, nur, weil sie nicht bereit sind, die innere Klappe zu halten und sich einfach nur auf das einzulassen, was sich zeigt. Diese entsetzliche Angst vor der Angst, vor der Traurigkeit, vor der Wut, der Leere, vor Verlust, hält sie gefangen in einer Limitierung die grenzenlos ist. Sie lässt sie einen Wahnsinn leben, den sie noch nicht mal als Wahnsinn identifizieren, weil er so normal ist. Dabei müssten sie nur die Angst vor der Überwältigung durch ihre Gefühle aushebeln, indem sie sie zulassen.

Indem sie es drauf ankommen lassen und bereit sind, das Leben vollständig zu leben, anstatt in einer Dauerselektion von den Dingen, die sie haben wollen und den Dingen, die sie nicht haben wollen, festzustecken.
Der einzige Grund für unser Leiden ist der, dass wir nicht bekommen, was wir wollen. Und was wir wollen hat in den allermeisten Fällen nichts mit uns selbst zu tun und kommt nicht aus unserem ursprünglichen Wesen. Es kommt aus einer Vorstellung über uns, wie wir uns haben wollen. Uns selbst und das Leben. Das ist die Trance, die uns zu Sklaven in jeder Hinsicht macht. Dem Leben in reiner Unschuld zu begegnen, mit stets frischer Aufnahmekapazität, weil keine Vorstellungen von irgendwas Deinen Arbeitsspeicher belasten. Hiersein. Mit wachen Sinnen in reiner Anwesenheit. Mehr brauchen wir nicht, um ein kraftvolles, freundliches, intensives, direktes, volles, intelligentes, freudvolles, wahrhaftiges Leben zu leben.

Aber die Mehrzahl zieht es immer noch vor, sich an anderen zu orientieren, völlig dumpf – was auch immer- zu konsumieren, um das innere Unwetter zu überdecken, von einem anderen Leben zu träumen, sich die Welt und die eigenen Beweggründe zu erklären, und sich ewig nach einem Sinn zu fragen, weil sie einfach nicht angeschlossen sind an das eigene Nervensystem des Lebens, das immer durch sie fließt.
Und das, weil sie tun, was sie immer tun. Was sie gewöhnt sind zu tun, was sie, wie eine alte Schallplatte tagein, tagaus wieder und wieder abspulen. Ich muss mich nicht verstehen. Das kann ich auch gar nicht. Weil ich nicht verstehbar bin. Wie es kein Mensch der Erde ist. Wir sind keine Maschinen, auch wenn uns der Verstand eines besseren belehren will, indem er uns erzieht, optimiert, zu Leistungen trimmt und zum Psychologen schickt, damit wir wieder besser funktionieren. Der uns im permanenten Selbstgespräch hält, was wir noch nicht mal bewusst wahrnehmen …
Der Mensch ist ein lebendiges Naturereignis, das sich, in weiten Teilen, selbst noch nicht als solches erkannt hat und es auch nicht wird, solange er im Sumpf seiner problemhaften Gedanken über sich selbst sitzen bleibt. Anstatt für möglich zu halten, dass es noch ganz andere Möglichkeiten gibt, sich selbst und das Leben zu sehen, als es „alle“ tun. Er könnte es wahrnehmen, dieser Mensch, wenn er aufhören würde, sich selbst und allen anderen, die immer gleichen Geschichten seines Mangels zu erzählen.
Wenn er aufhören würde, der Gewohnheit nachzugehen, sich selbst anders darzustellen, als er sich fühlt. Wenn er aufhört mit dem Finger auf andere zu zeigen und sie der Täterschaft an der eigenen Gefühlslage zu bezichtigen. Kurz, wenn er den inneren Weg beschreitet, statt sich wieder und wieder an seine Projektionen im Außen aufzuhängen. Aus Ignoranz und hilfloser Selbstgefälligkeit. Wenn er aufhören würde sich selbst wie einen Idioten zu behandeln, der erst noch von anderen lernen muss, wie das Leben geht, anstatt seinen eigenen Weg zu finden.
Urvertrauen finden wir nur, wenn wir uns trauen uns selbst zu vertrauen. Egal, was irgendwer sagt. Egal, ob wir gemocht werden oder nicht. Das ist der Preis. Denn alles findet ausschließlich in Deinen Gedanken statt. Das ist die wichtigste Lektion, die die meisten Menschen auch mit 99 noch nicht verstanden haben. Du erlebst immer was Du denkst. Sobald Du es lässt, ist alles gut.
Und das ist kein Ergebnis von geistiger Einfältigkeit aufgrund von Nichtintelligenz. Das ist das Ergebnis von tiefer Einsicht in die wahren Mechanismen des Lebens, die nur erfahrbar sind von Menschen, die wirklich zu sich selbst und ihren unfassbaren Möglichkeiten aufbrechen wollen. Nur von Menschen, die wirklich leben wollen. Anstatt ihr Dasein zu fristen. In einem beständig sinkenden Boot mit gleichgesinnten Problemwälzern, die sich immer nur beklagen, dass die Dinge nicht so laufen, wie sie sollen. Und nicht merken, dass die Dinge genau deshalb nicht so laufen, weil sie immer wieder gegen die gleichen gedanklichen Wände laufen. Und nicht bereit sind den Kopf aus dem Sumpf zu heben.
Solange wir nicht verstehen welches unendliche Potanzial auf zwei Beinen wir sind, werden wir weiter wie Pinocchios leben, die ewig davon träumen ein echter Junge zu sein. Ohne zu merken, dass wir schon lange echte Menschen sind.
In Verbundenheit, Nicole

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