In der Liebe darf die Angst bleiben

von | Okt 5, 2020 | ICH | 3 Kommentare

 

Wie soll ein Mensch, der viel Lieblosigkeit erfahren hat, (und das haben wir alle) in die Liebe finden? Wohin soll er sich wenden, wenn seine inneren Wege immer wieder von selbst bedrohliche Richtungen einschlagen? Woher soll er wissen, wie sich Liebe anfühlt, wenn er selbst wie ein Ding behandelt wurde, das auf eine bestimmte Weise zu sein hat? So, wie es die
anderen wollen?

Ein Mensch, der immer nur nach Liebe sucht und sich selbst dafür völlig übersieht? Der neidisch ist, weil andere immer etwas besser zu tun scheinen, als er selbst, der voller Wut ist, weil er sich hilflos fühlt, weil er immer wieder nichts tun kann, um sich zu ändern? Um sich so zu ändern, dass er endlich geliebt wird von den anderen, damit er sich selbst lieben kann?

Richte Dich auf die Liebe aus! Das ist die Anweisung spiritueller Überflieger, mit der dieser Mensch allein gelassen wird. Eine herzlose Anweisung, weil sie wieder von dem wegführt, wie sich dieser Mensch tatsächlich fühlt. Jenseits aller geistigen Konzepte, aller Philosophien, aller Ideen über das Leben. Nein Jetzt und hier ist da Angst, ist da Wut, ist da Hass, ist da Hilflosigkeit, ist da Traurigkeit und alles, was da ist.

Was fühlst Du wirklich?

Wie sieht es WIRKLICH aus? Das ist die Aufrichtigkeit, die allen abgeht, die große Töne von der Liebe spucken, sich selbst aber in ihrem eigenen Leben ausweichen. Ihrer eigenen Angst ausweichen, ihrer eigenen Lieblosigkeit und Hilflosigkeit ausweichen, weil es sich so viel erhabener anfühlt, von der existenziellen Liebe zu sprechen. Und weil es den Blick wieder wegrichtet von der tatsächlichen Wirklichkeit hier und jetzt. Das fühlt sich ja nicht so gut an, wie sich immer wieder wegzuträumen.

Um in die wahre Liebe zu finden, musst Du durch die Hölle gehen. Durch Deine eigene Hölle. Du musst alles total fühlen, was Du fühlst, um zuerst Dich selbst in Deiner Not lieben zu lernen. Dich selbst in Deiner Hilflosigkeit, in Deiner Schwäche, in Deiner Unvollkommenheit, in Deiner  Bedürftigkeit, Einsamkeit und in Deinem Verbesserungswahn. Du musst alles fühlen, was Du in Wirklichkeit an Dir verachtest. Du musst Deiner Verachtung  begegnen. Wenn es Dir wirklich um die Liebe geht.

Dazu ist kaum ein Mensch bereit. Echtes Erwachen findet ausschließlich in der direkten Konfrontation mit Dir selbst statt. Alles andere ist schönes Reden. Das sich früher oder später selbst entlarvt.

Das Leben ist immer größer

Denn das Leben selbst ist immer größer. Es lässt sich nicht aus Büchern und Ideen erfahren und in keiner Weise beschreiben. Es lässt sich nur (er)leben. Mit allem, was es Dir von sich zeigt. Ob es ein Faustschlag in Dein Gesicht ist, oder die sanfte Berührung eines Kusses. Es lässt Dich gnadenlos immer spüren, wo Du Dir was vormachst. Immer dann, wenn es weh tut und Du nicht hinsiehst.

Hör auf, die Welt verbessern zu wollen. Hör auf, auf die anderen zu schauen, wie die es machen, oder nicht machen. Das ist alles Ablenkung von der Angst, Dir selbst wirklich zu begegnen. So, wie Du bist und nicht so, wie Du sein willst. Die schönste Version von Dir findest Du in dem Dreck, den Du unter Deinen Teppich kehrst. Wenn Du Dich endlich traust ihn zu lüften. Und dennoch bei Dir zu bleiben.

Dich nicht zu verlassen für die schönen Ideen von der alles und jeden liebenden Liebe. Das ist keine Liebe, das ist eine haltlose und lieblose Idee. Die Dir immer wieder den Hals brechen wird, weil sie so lange nicht stimmt, so lange Du nicht zu Dir kommst und Dich aufrichtig in jeder Version Deiner selbst liebst. So wie Dich kein Mensch zuvor geliebt hat und je lieben wird.  Das ist die einzige Nahrung, die Deine innere Blüte zum erblühen bringt.

Bleib bei Dir in Deiner Not und verlass Dich nicht für ideale Träume eines schöneren Ichs, das mit Dir nichts zu tun hat. Deine Schönheit offenbart sich Dir von selbst, wenn Du in jeder Situation an Deiner Seite stehst. In dieser Liebe darf die Angst bleiben. Die Unvollkommenheit, der Schmerz, die Sehnsucht und alles, was Du fühlst.  Nur in dieser Liebe entfaltet sich Dein Bewusstsein für Dein Gehaltensein. Wenn Du Dich selbst (aus)hältst, bist Du gehalten, sicher und frei. Und lässt automatisch alle anderen frei, zu sein, wie sie sind. Ohne sie ändern zu wollen.
Weil Du endlich aus den wahren Augen der Liebe siehst.

 In Verbundenheit, Nicole

 

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3 Kommentare

  1. TAYYEBEH

    es trifft direkt ins Herz….wie wahr!

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    • Anne

      Danke,liebe Nicole.Es ist so klar geschrieben!
      Sich selbst (aus)halten! Das trifft mich im Herzen.

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  2. CHRISTA

    Liebe Nicole,

    das ist ein wunderbarer Text. Danke!

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