Geist und Gefühl – die Fusion des Lebendigen

von | Sep 18, 2020 | SEIN | 0 Kommentare

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von Ich.Selbst.Sein.

Am Anfang scheinen wir, als das Häufchen Leben, das die Augen zur Welt aufschlägt und anfängt sich zu erleben, ein reines Empfindungswesen zu sein. Pure Wahrnehmung auf der körperlichen Ebene. Reines Gewahrsein auf der Bewusstseinsebene, die ihr Bewusst- Sein erst noch entwickelt, durch die Eindrücke, die sich als Bilder und Empfindungen von der Beziehungslosigkeit zu einem „gewussten“ Zusammenhang entwickeln.

Im Laufe des Lebens differenziert und verdichtet sich immer deutlicher die „eigene“ Erfahrung aus der ungeteilten Vollheit des rein gefühlten Erlebens heraus und wir betreten mehr und mehr die geistige Ebene. Das Denken, Reflektieren, Beurteilen, Vergleichen stellt sich ein. Und wird immer dominanter. Es löst das reine Empfinden ab. Man kann fast sagen, es verschließt sich ab einem gewissen Punkt davor und erlebt sich selbst aus dem geistigen Raum heraus. Gedanken produzieren Emotionen und verdrängen die ganz direkten, ursprünglichen Gefühle.

Der Verstand übernimmt das Terrain. Weil es noch immer der Verstand ist, der diese Welt regiert. Er lebt als gesellschaftliches Kollektiv und drückt sich sich selbst gemäß aus. Diesen Ausdruck erfahren wir, als angstvolles Festhalten an Traditionen und den Glauben an bewährte Systeme und das Aufrecherhalten vorgegebener Strukturen, die ein erfolgversprechendes Leben begünstigen sollen. Durch dieses unhinterfragte Weitergeben von Überlebensangst und ihrer scheinbar gelingenden Abwehr, wird das Hohelied auf den Verstand aufrecht erhalten als Wert, der gesellschaftliche Strukturen bestimmt und damit unsere Erfahrung von uns selbst und der Welt.

Männlich und weiblich …

Dieses Ungleichgewicht zwischen reinem Verstand und reinem Empfinden, ist identisch mit dem Ungleichgewicht zwischen den Prinzipien von Mann und Frau. Prinzipiell gesehen können wir sagen – Geist ist männlich und Gefühl ist weiblich.

Ich lerne in diesem Leben mehr dem Verstand zu vertrauen, als dem direkten Gefühl in mir. Der Verstand ist funktional, er scheint besser geeignet, um in dieser Welt zu überleben. Er ist zielgerichtet und aktiv, er ist konzentriert, gesammelt und kann durch seine fehlende Emotion klarer und deutlicher handeln.

Doch die vom Denken unterdrückte Dimension reinen Fühlens, das ihm immer untergeordnet scheint, weil es selbst, im Gegensatz zum Denken, keine Richtung erfährt, ist fatal und lässt uns viel zu einseitige und unvollständige Erfahrungen von uns selbst und dem Leben an sich machen.

Die verlorne Melodie des Mysteriums …

Das führt uns zu Entscheidungen, die uns selbst und die Welt, wie wir sie kennen, bis an den Rand des Ruins treibt. Das fehlende Gefühl lässt uns die Schwingung des Lebens verlieren, den Atem der Natur, die Melodie dieses Mysteriums. Es lässt uns alles Erleben in rationale, gehbare und bezwingbare Bahnen zwängen. Der wilde Vogel sitzt im Käfig.

Mann und Frau ziehen sich deshalb an, weil sie entgegengesetzte Pole darstellen. Genau wie Denken und Fühlen. Die Anziehung ist so groß, weil sie sich nicht verstehen können. Das Eine ist etwas vollkommen anderes, als das Andere. Genau das versetzt beide in die Lage zusammen etwas vollkommen Neues zu erschaffen.

Unter einer Voraussetzung …

Es ist das Diffuse, das Vernetzte, das Undurchdringliche, Unfassbare, eben Irrationale der reinen Empfindung, das dem Denken, also dem blinden Geist,  so großes Unbehagen bereitet. Es bereitet ihm so großes Unbehagen, dass er dem Unfassbaren den Stempel des Falschen aufdrückt. Er versteckt und verschleiert es und spaltet sich selbst von einem Teil des Lebens ab, das ihn für immer dazu verurteilt  Welten zu entwerfen, die in ihrer Einseitigkeit ebenso unwirklich und als Extrem genau so falsch sind, wie reines Empfinden ohne Geist.

Berührung braucht ein Gegenüber

Reine Empfindung ohne Geist ist in sich selbst vollkommen verloren und haltlos. Weil Berührung ein Gegenüber braucht. Etwas, das sie sich selbst empfinden lässt. Berührung belebt das Unberührte. Sie haucht ihm Lebendigkeit und Schönheit ein. Die Inspiration ist dann vollkommen, wenn der Geist sich selbst berührt. Es ist Gott, der dem Menschen Leben einhaucht. Es ist der Mensch, in dem Gott sich selbst erkennt. Es ist die Erde, die die substanzlose Information des in sie gelegten Samens in die materielle Erfahrung des Lebens bringt …

Geist und Gefühl. Das sind Qualitäten, die bisher nur im Menschen zusammenfinden können. Diese Fusion ist die wahre göttliche Gabe, die sich auf der Erde als lebendige Liebe verwirklichen kann. Die Voraussetzung für Mann und Frau zusammen etwas wirklich Neues zu erschaffen, ist, dass jeder bereit ist, für den anderen von sich zu lassen.

Was bedeutet das?

Der Geist ist bereit ins Gefühl hinab zu steigen und das Gefühl ist bereit in den Geist aufzusteigen. Liebe heißt Öffnung. Die Bereitschaft nicht zu wissen und nicht an sich selbst festzuhalten. Die Bereitschaft etwas einströmen zu lassen, was ich nicht kenne. Etwas, das mich fühlen lässt, was ich denke, auf der einen Seite. Und Etwas, das mich, auf der anderen Seite, in der ungerichteten Dunkelheit meiner Empfindung, erleuchtet. Die Ratio wird vom Gefühl in die Wirklichkeit geboren und das Gefühl von der Ratio in (s)eine Form erhoben. Beide werden nur zusammen eins.

Die innere Hochzeit

Diese Einswerdung muss zuerst in Dir selbst geschehen, bevor sie sich veräußerlichen kann, um sich in einer wahrhaftigen Begegnung mit einem anderen Menschen, oder dem Leben selbst, entfalten zu können.

Das Zusammentreffen von Geist und Gefühl in Dir, ist die Vermählung, derer es bedarf, damit Du von Dir selbst berührt werden kannst. Damit Du „zu Dir“ kommst.

Es ist der Moment, wenn Du erkennst, dass Du noch so sehr gegen Deine immer wiederkehrenden Gefühle kämpfen kannst, doch solange Du sie nicht fühlen willst, solange Du sie durch Deinen scharfen, klugen Geist dominieren, sie bezwingen willst, wirst Du gegen Wände laufen. Du kannst ihrer nicht „Herr“ werden, indem Du sie wegerklärst und relativierst, in Geschichten und Vergangenheiten verbannst, die scheinbar keine Auswirkung mehr auf Dich haben.

Die Demütigung des Geistes

Denn sie haben ihre Auswirkung. Sehr deutlich. Und je mehr Du gegen sie kämpfst, um so deutlicher lassen sie Dich diesen Kampf spüren. Bis Du, als geistige Überhöhung, brichst, weil Du gezwungen wirst zu fühlen, wie es sich anfühlt, immer wieder mit den Gefühlen konfrontiert zu werden, die Deines Geistes scheinbar nicht würdig sind. Der Widerstand fällt in der Hilflosigkeit, vor der Du als Verstand kapitulieren musst. Das Männliche fällt vor dem Weiblichen auf die Knie, weil es erkennt, dass es ohne das Weibliche tot, kalt und zerstörerisch ist. Dieser Kniefall ist es, der den Geist Demut lehrt und ihn in seine wahre Schönheit erhebt. Weil es ihn endlich in eine umfassende Ganzheit integriert und somit zu einem Instrument der Liebe macht, die durch ihn ihre Richtung findet.

Es ist der Moment, wenn Du erkennst, dass das reine Zerfließen in den immer gleichen Gefühlen Dich nirgendwohin führt, als immer wieder nur in dieses unheilvolle Bad, dass Dir alle Kraft raubt. Es vernebelt Dir die Sicht auf die wahre Ausrichtung in Dir. Du fällst haltlos von einer Emotion in die andere und jede dieser mächtigen Wallungen beansprucht Deine Wirklichkeit für sich. So lange Du das nicht erkennen willst, bist Du verdammt dazu Spielball der Empfindungen zu sein, die Dich von einer unlösbaren Situation in die andere fallen lassen. Ohne Dir jemals darüber klar werden zu können, wie das „passiert“. Deine Weigerung nüchtern zu sehen, was Du immer wieder tust, um Dich so zu fühlen, wie Du es immer wieder tust, lässt Dich im Treibsand Deiner Emotionen untergehen.

Der Widerstand fällt in der Anerkennung der Klarheit des Sehens in Dir selbst. Deine Kraft zeigt sich erst dann, wenn Du bereit bist hinzusehen und Dich aufzurichten, als die Deutlichkeit und Klarheit, die Du bist. Sie beraubt Dich nicht Deines Gefühls und nicht Deiner Verbundenheit. Sie gibt ihnen ein Zuhause. In Dir. Das Weibliche verbleibt nicht länger in sich selbst und richtet sich zum Männlichen auf, um ihm seine Strahlkraft zu erlauben. Gemeinsam verhelfen sie den unendlichen Möglichkeiten der Schöpfung in die Erfahrung des Lebens.

In Verbundenheit, Nicole

 

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