Sein. Im Augenblick fehlt nichts

von | Aug 23, 2020 | SEIN | 0 Kommentare

Ein gebundener Geist erfährt sich als ein ewig währender Bewertungsprozess, der allein im Tiefschlaf zum Erliegen kommt. Und zwar dann, wenn Bewusstsein mit sich selbst allein ist. Ohne, dass darin etwas auftaucht, womit es sich verbinden muss, wie etwa in der Traumphase.

Das ist die höchstmögliche Form von Entspannung, die eigentliche Regeneration, das Ausatmen nach dem Einatmen. Deswegen lieben wir alle es zu schlafen. Je gestresster wir sind, um so mehr brauchen wir den Schlaf, weil ständiges Einatmen zum Kollaps führt …

Wirkliches „Sein“ bekommen wir bewusst gar nicht mit. Weil wir darin sind. Wenn wir einfach sind, dann verschmilzt der Augenblick zu sich selbst. Und niemand sieht zu. Man könnte sagen: Zusehen ist was es sieht. So sehr ist Sein Sein.

Du stehst nicht „neben“ Dir

Es gibt allein deshalb keinen Unterschied zwischen dem, was wahrgenommen wird und der Wahrnehmung selbst, weil es keinen reflektierenden, also gedanklichen Austritt aus dem Erleben gibt. Da stellt sich niemand gedanklich daneben und sagt: „Oh ist das schön!“, während er im Sommerregen tanzt und auf der Stirn und den Wangen, den Lippen und der Zunge die Wassertropfen auftreffen und ein Gefühl verursachen, das sich so lebendig und sexy anfühlt und sich freudvoll als Jauchzen durch die warme Luft Ausdruck verschafft. Sein an sich ist reine Schönheit, die sich empfindet und ausdrückt.

Es IST einfach schön, ohne, dass es jemand bemerken muss. Der Gedanke allein ist bereits die Unterbrechung des Erlebens selbst. Und das sind wir zutiefst gewöhnt. Zu denken und damit zu bewerten. Anstatt einfach zu sein, uns dem Augenblick zu überlassen und ihm den vollen Eintritt in uns zu gestatten. Denn nur so können wir währenddessen vollkommen auskosten, was der Augenblick für uns bereithält. Ganz nüchtern gesagt, welche Information für uns darin liegt.

Egal, was gerade auftaucht. Selbst in dunklen Momenten geht es um die volle Erfahrung selbst, die nur dann ein Einsehen in sich hat, wenn sie sich vollständig erfahren darf.

Vollkommenes Eintauchen

Lasse ich Schönheit in mich ein, dann fällt mir alles auf. Der kleine Vogel auf dem Baum gegenüber, wie er selbstvergessen sein Federkleid putzt. Das fallende Blatt, das sich den Luftwirbeln überlässt, bis es anmutig schwebend den Boden berührt. Die perlenden Tropfen in der Mineralwasserflasche, die im gemeinsamen Wettstreit nach oben streben… Alles wird gesehen und erfreut sich an sich selbst. Es wird leicht und hell. Es informiert sich selbst über seine Schönheit.

Und dann, wenn ich es vollkommen empfunden habe, ohne ein Zweites dazwischen, dann kann ich darüber schreiben. Ich kann es geistig so deutlich abrufen, dass ich es nachkosten kann. Für jeden Künstler ist es unerlässlich so selbstlos in seine Wirklichkeitsaugenblicke einzutauchen, dass er es im Nachhinein so getreu wie möglich wiedergeben kann. Dann haben andere Menschen die Möglichkeit es nachzuempfinden.

Und können zumindest eine ähnliche Freude in sich selbst spüren, wie es der Künstler gespürt hat. Die Kraft, in andere Menschen „hineinzumalen“, kann sich nur ergeben, wenn der „Maler“ so ausschließlich er selbst ist, dass er in sich nichts anderem begegnet als sich selbst, das er ausdrückt. Nur dann ist die Selbstwahrnehmung so konzentriert und damit kraftvoll, dass sie die Möglichkeit hat wahrgenommen und ausgedrückt zu werden. Und damit auch andere Menschen zutiefst zu berühren.

Kunst ist Lebenskunst

Nur das unterscheidet einen guten von einem schlechten Künstler (Oder Lehrer, oder Bäcker, oder Gärtner …). Der schlechte Künstler schielt auf die anderen, wie die es machen. Er vergleicht sich im schlimmsten Fall und versucht etwas zu sein, das er nicht ist.  Ihm geht es allein um die Wirkung, die eine Schöpfung hervorruft. Er versteht nicht, dass er sich seiner selbst hingeben muss. Dass das die Belohnung ist. Er versteht es deshalb nicht, weil er denkt, statt zu sein.

Der echte Künstler ist nur er selbst. Und das ist alles, was er ausdrückt und was er auszudrücken hat. Ihm geht es um nichts als sich zu spüren, auf die Weise, die ihm entspricht. Weil er durch das Fühlen selbst, um den Reichtum des Universums weiß, das er selbst ist. Das bestimmt sein ganzes Sein.

Wenn Du einfach bist, fehlt darin nichts. Weil niemand darin ist, dem etwas fehlt. Von Sinnen sein. Das kommt dem Dasein, wenn ich es beschreiben will, am nächsten. Sei vollkommen von Sinnen. Sei Deine Sinne selbst und benutze sie total! Koste aus, was Dir geschenkt ist! Diese unbegreifliche Möglichkeit zu schmecken, zu riechen, zu fühlen, zu sehen, zu hören, Dir dieser Unfassbarkeit  bewusst zu werden und sie mit Deinem ganzen Sein auszudrücken!

In Verbundenheit, Nicole

 

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