Ich. Beengter Bewusstseinsraum.

von | Aug 23, 2020 | ICH | 0 Kommentare

Wir brauchen freie Kapazität, um offenen und reflektierenden Gedanken überhaupt Einlass gewähren zu können. Einem engen, eingeschränkten Raum entsprechen nur enge, eingeschränkte Gedanken. Denn auch Gedanken beanspruchen eine bestimmte Größe, auch wenn sie sinnlich nicht erfassbar ist. Bewusstseinsraum ist wie ein elastischer Handschuh. Er passt sich der Form der Hand an, die in ihn hineinschlüpft und macht selbst keine Vorgaben. Hier waltet pure Resonanz.

Nach dem zweiten Weltkrieg und nach Kriegen allgemein, waren und sind die Menschen damit beschäftigt alles wieder aufzubauen und erneut einen Status Quo zu erschaffen, der so etwas wie Normalität lebbar macht. Normalität als eine Wirklichkeitserfahrung, die so etwas wie eine gedanklich kreative Kapazität überhaupt möglich macht. Eine, die nicht permanent mit Überlebensfragen beschäftigt und damit als Aufmerksamkeit gebunden ist.

Doch diese Art von Normalität reicht nicht aus, um wirklich in eine geistige Verfassung zu kommen, die das Erwachen zu sich selbst als Wahrnehmungswirklichkeit ermöglicht. Sonst wäre das menschliche Kollektiv schon lang auf einem geistig-emotionalen Niveau, das sich eben nicht auf eine Weise ausdrückt, wie wir es seit je her erleben. Als immer wieder angstvolles Festhalten an den eigenen Grenzen des Bekannten und Vorhersehbaren. Als Lebensfurcht, die sich durch Kleingeistigkeit und Kleinherzigkeit äußert, was wir deutlich an der psychischen und physischen Gewalt ablesen können, die wir uns selbst und allem Lebendigen antun.

Wir brauchen geistige Gesundheit

Wir brauchen eine geistige Normalität und damit meine ich eigentlich geistige Gesundheit, die uns in die Sphäre von Offenheit, Weite und schrankenloser Wahrnehmung führt. Eben zu dem, was uns als Bewusstsein, das wir grundlegend sind, entspricht. Es reicht nicht, uns ein äußerliches Komfortniveau zu erschaffen, das unser phyisisches Erleben vom Überlebensmodus in den Bequemlichkeitsmodus führt. Hier werden wir nur träge, statt wach. Wir betäuben unseren Geist mit Smartphones, Sozialen Medien und Technologie.
Wir entwickeln uns nicht weiter als Bewusstseinsqualität. Die inneren Sphären bleiben unberührt.

Das einzige, was diese Weiterentwicklung fördert, ist die Erweiterung des Ichraumes, den wir in diesem Stadium verkörpern. Und das heißt nichts anderes, als auf die Unstimmigkeit in uns selbst aufmerksam zu werden. Schmerz, den wir erfahren, ist das intelligenteste Warnsystem der Welt. Und es ist uns eingeboren. Wir können uns wirklich glücklich schätzen. Doch um uns dieses Warnsystems bedienen zu können, müssten wir erstmal lernen es in seinem Ausdruck auch wahrzunehmen und ihm die Bedeutung zu geben, die es hat.

Was machen wir bisher? Körperlichen Schmerz versuchen wir mit Medikamenten loszuwerden. Wir lassen uns noch immer vom Arzt erzählen, wie es uns geht und ihn bestimmen, was unserem Köper zugeführt wird. Wir geben die Verantwortung für uns selbst ab. Als wäre der Körper etwas uns Fremdes, das wir nicht fühlen, nicht verstehen, der uns, von sich aus, keine Information über unseren Istzustand geben kann. Wir haben zu viel Angst davor, uns selbst zu vertrauen. Psychologischen Schmerz ignorieren wir so lange, bis wir körperliche Symptome erfahren. Und dann ist es meistens bereits zu spät. Oder es braucht lange Zeit, um wieder eine Balance zu erfahren.

Was ist die Funktion von Schmerz?

Wir müssen zuerst verstehen, was Schmerz überhaupt macht. Und das ist etwas zutiefst Einfaches, wie alles, was wirklich intelligent ist. Er holt uns hierher zurück. Dorthin, wo es weh tut. Schneide ich mich in den Finger, tut es hier weh. Ich muss hinsehen und etwas tun. Fühle ich den Schmerz einer Abwertung durch einen Anderen, hilft es mir nicht, den anderen dafür zu beschuldigen mich abgewertet zu haben und mich diesen Schmerz fühlen zu lassen. Ich muss hinsehen, wo die Abwertung stattfindet: Hier in mir. Nicht dort, beim anderen. Ich fühle dieses schreckliche Gefühl, nicht der andere. Die Ursache liegt also in mir. Nur Hier kann ich aufmerksam darauf werden, welchem Glauben über mich ich Einlass gewähre und wie sich das anfühlt.

Der einzige Ort, an dem Veränderung möglich ist, ist hier, bei und in mir. Um unseren Ichraum zu erweitern und in eine natürliche! Selbsterfahrung zu kommen, die sich als reiner Wahrnehmungsraum öffnet, müssen wir kompromisslos hierherkommen. Dorthin, wo es als Du atmet, spürt, denkt, riecht, sieht und hört. So lange in Dir noch fremde Stimmen walten, die Dir erzählen wollen wer Du bist, wer Du zu sein hast, was die Welt ist und wie sie zu sein hat, ist der Raum für Dich verschlossen.

Das macht Erwachen so radikal. Es geht wirklich um Dich. Und zunächst um die Entdeckung, was Du tatsächlich denkst und fühlst, wenn es um nichts anderes geht als um Dich selbst. Das ist das Nadelöhr. Im Ichstadium geht es allein darum ganz „ICH“ zu sein.

Nur das bringt uns in eine geistige Normalität,  also in eine solche Entspannung, die uns erlaubt uns selbst aus einer freundlichen, offenen, schuldfreien, selbst-verständlichen Perspektive zu betrachten. Und diese freie, ungebundene Perspektive, lässt uns sehen und wahrnehmen, welchen Glaubensmustern, ja ganzen Glaubenssystemen wir aufsitzen, die folglich unsere Wirklichkeitserfahrung bestimmen. Diese neue Wahrnehmung ist bereits der erweiterte Bewusstseinsraum, auf den wir auf der Reise zu uns selbst immer deutlicher aufmerksam werden.

In Verbundenheit, Nicole

 

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