Das erwachende Selbst

von | Aug 14, 2020 | SELBST | 0 Kommentare

Die Entdeckung des Selbst, als die wahrnehmende Instanz, in der mein Leben stattfindet, kommt der Aufdeckung gleich, dass die Erde keine Scheibe, sondern eine Kugel ist. Es ist eine Gnade, ein Segen, ein göttliches Wunder, diese Einsicht hinter die Kulissen des Lebens erhalten zu dürfen.

Die Dimension, die sich dadurch offenbart, ist mit keinen Schätzen der Welt aufzuwiegen. Die Beweglichkeit  der Perspektive zu erfahren, die dadurch möglich wird, eröffnet Einblicke in das eigene Leben, als würde ein Blinder plötzlich sehen können. Der Erfahrung des Selbst kann man keinen geringeren Wert zuschreiben.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass der Weg mitten durch das Herz der Ichpersönlichkeit geht, mit der wir alle von Anbeginn konfrontiert sind. Um das Selbst zu erfahren brauchen wir einen größeren Bewusstseinsraum, als der gewöhnlichen Ichperspektive zur Verfügung steht. Und dieser Raum öffnet sich nur, wenn das ICH eine Art Entspannung erfährt, die zu dieser Erweiterung im Bewusstsein führt. Wir bemerken die permanente geistige Anspannung nicht, in der wir uns im normalen ICH-Stadium aufhalten.
Weil dieses Stadium Anspannung selbst ist.

Das konditionierte Ich ist immer angespannt

Es ist die Anspannung einer Person, die sich selbst im innersten Kern ablehnt, weil Mangel ihre Natur ist. Das offenbart sich direkt in der Selbst – Erfahrung, weil hier die Begrenzung deutlich wird, die das Ich, insbesondere das konditionierte Ich, seiner Natur nach ist. Wenn sich Dein Bewusstseinsraum so weitet, dass Du Dich selbst als die Wahrnehmung Deiner Gedanken und Gefühle erleben kannst, dann zeigt sich Dir welche Begrenzung die totale Identifikation mit Deinen Gedanken und Gefühlen darstellt. Dir wird die Enge klar, in der und als die Du bisher gelebt hast.

Es ist wie ein Aufatmen, nach einer qualvollen Zeit unter Wasser.

Du brauchst ein ganz klares Verständnis dafür, dass die Selbstablehnung, die Du versteckt oder offen in Dir fühlst, der direkte Hinweis auf eine Fehlsicht ist, die Dich Dein Leben kostet. Ja. Es ist genau so dramatisch, wie es sich anhört.

Das Ichstadium wechselt seine Position erst dann, wenn Du mit Haut und Haar begriffen hast, dass es darum geht, Dich in einem klaren Licht zu sehen, als die Einzigkeit, die Du selbst bist. Diese Einzigkeit verlangt nach Deiner Aufmerksamkeit als Dein Interesse für Dich selbst und Deine inneren Vorgänge.

Es verlangt Deine Hingabe

Es verlangt Deine Hingabe an die Frage wer Du wirklich bist und was es mit diesem Leben auf sich hat. Es verlangt den deutlichen Zweifel an den tiefsitzenden Zweifeln, die Du Dir gegenüber hegst.
Es braucht den Wunsch aus der Enge der Identifikation mit gesehenen und ungesehenen Glaubensmustern auszusteigen. Das ist die wahre Challenge, der bisher wenige Menschen wirklich gewachsen sind. Das ist das Nadelöhr, durch das Du hindurch musst, um den weiten Raum zu erfahren, der Du in Wirklichkeit bist.

Dieses Nadelöhr ist ab einem bestimmten Punkt so eng, dass Du das Gefühl hast, Du musst Dich einen Abhang hinunterstürzen, um da durch zu kommen. Und im Grunde ist es so. Denn uns ist einfach nicht bewusst, wie mächtig Glaubensmuster wirklich sind. Sie SIND das, was wir als uns selbst im Ichstadium erfahren. Deshalb ist immer wieder vom ins Leben sterben die Rede. Denn es kommt einem Tod gleich, das aufzugeben, von dem man zutiefst glaubt, dass es so ist.

Als würdest DU Deiner leiblichen Mutter plötzlich offenbaren müssen, dass sie nicht Deine Mutter wäre.

Das ICH weiß nichts vom SELBST

So sieht es aus der Ichperspektive aus. Oder anders: Einem Menschen, der zutiefst unbewusst mit seinem ganzen Sein davon überzeugt ist, dass ihn niemand wirklich lieben kann, kommt es einem Selbstmord gleich, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass es vielleicht doch möglich ist.

Es geht nicht darum, Dich selbst, als die Person, die Du bist, zu lieben. Das ist gar nicht möglich. Du kannst einer Begrenzung nicht erklären, was Grenzenlosigkeit ist. Ein Schrebergarten weiß nichts von Versaille. Er hat keine Möglichkeit sich vorzustellen, was das sein soll.

Aber wenn der Schrebergarten zutiefst er selbst ist, wenn er sich nicht mehr mit anderen Gärten vergleicht, die genau so klein sind wie er, sondern ganz bei sich und seinen Möglichkeiten bleibt, dann wird er als ein Garten Eden erblühen, der eine Strahlkraft hat, in der alle Bezeichnungen dessen verschwinden, was er als Schrebergarten zu sein hat.

Wenn die Benennungen und Bezeichnungen verschwinden, erstrahlst Du als Dein Selbst, in dem das sichtbar wird, was als Gedanken und Gefühle Deine Eigenart erzeugen. Dann entspannt sich das begrenzte Ich, das Du kennst, in einen offenen Raum hinein, in dem es empfangen wird. Schlicht. Unaufgeregt. Willkommen.

Hier beginnt die Reise Deines wahren Lebens.

 

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