Kein Respekt vor Buddha

von | Sep 21, 2020 | ICH | 2 Kommentare

Alles Heilige, das Du als außerhalb von Dir selbst empfindest, als etwas anderes als die Dir eigene Natur, ist eine fatale Idee, die Dich im Würgegriff einer Welt gefangen hält, die auf diese Weise nichts mit Dir zu tun haben kann. In dieser Welt musst Du als isoliertes Teilchen auf ewig „dort drüben“ nach dem verbindenden Anschluss suchen.

Du selbst wirst Dir dadurch immer fremd bleiben. Alles, was Du zu erreichen suchst, trennt Dich von Deiner Erfahrungswirklichkeit. Von dem also, wie es sich Dir als im Moment auftauchender Lebensfluss zeigt und der Möglichkeit damit zu sein, statt Dich dagegen zu wehren. Die Rückanbindung an Dich selbst geschieht einzig durch den Tod aller von Dir wegführenden Gedanken, die Dich in der ungesehenen Illusion der Spaltung von Dir selbst gefangen halten. Wenn es Dir möglich wird dies zu erkennen, wird sich alles Wegführende von allein in Dir selbst auflösen. Du verweilst als Da-sein – als Anwesenheit und Ereignishorizont für alles Wahrgenommene.

Seit Jahrtausenden leben wir als gefallene Engel, die nichts von dieser göttlichen Anwesenheit in sich selbst wissen (wollen). Das drückt sich deutlich als die Welt aus, die wir erleben.

Wir übersehen uns selbst

Jede äußere Gewalt, jeder Stumpfsinn, jede Gefühlskälte, die ein lebendiges Wesen übersieht, die über einen anderen bestimmen will, die Kontrolle ausübt und sich herausnimmt Recht, Unrecht und Schuld zu bestimmen, ist ein Ausdruck des ver-rückten inneren menschlichen Klimas. So wie wir die Natur, die Tiere, andere Menschen behandeln, „behandeln“ wir uns selbst.

Ja, wir behandeln uns, wir gehen mit uns um, als wären wir kein schwingender Ausdruck des Lebendigen über das sich nichts end – gültiges sagen lässt. Das man nur ganz direkt, ganz nah erleben kann. Wir gehen mit uns um, als wären wir Dinge, die unabhängig existieren, die man objektivieren, sezieren, analysieren, messen, bestimmen, ausweiden, ausschlachten und rational erfassen kann. Und das nennen wir Wissenschaft.

Und so nehmen wir uns auch von Innen wahr: Als ein Etwas, über das sich bestimmen lässt – als wären wir es nicht selbst! Etwas, das sich definieren, optimieren und in die „richtige“ Richtung bringen lässt. Wir lassen uns keine Erfahrungen machen, die nicht in unser „Konzept“ vom richtigen Leben passen.  Jedem Schmerz begegnen wir mit Widerstand, anstatt ihn direkt zu erfahren und als Hinweisgeber auf unsere fehlende Anwesenheit für uns selbst zu erleben.

Kein Ausdruck für die Dunkelheit

Wir lassen uns vor uns selbst nicht weinen, nicht schreien, nicht wüten, nicht hassen, nicht schwach sein, nicht falsch liegen nicht irrational, unmoralisch und hilflos sein, ohne gleich die besten Ratschläge und Ideen parat zu haben, wie wir „das Problem“ wieder loswerden. Wir sehen nicht, dass es unsere Wünsche sind, die etwas anderes wollen, als das, was ist, die unser gesamtes Unglück kreieren. Wir streben von uns weg, als in uns hineinzusinken.

Wir lassen uns nicht vom vorgegebenen Weg abkommen und schneiden uns damit vom Erfahrungsspektrum unseres lebendigen Lebens ab. Wir unterdrücken unsere Gefühle und wenden die gleiche Gewalt gegen uns selbst an, die uns im Außen mit voller Wucht erreicht. Über die Medien, die Welt und immer wieder die „anderen“.

Weil es gefährlich ist vom „rechten Weg“ abzukommen und Gefahr etwas ist, das uns nicht zu nah kommen darf. Weil uns als gemäßigte Temperatur nichts zu nah kommen darf, denn dann würden wir die Kontrolle verlieren über die inneren Temperaturregler. Wir müssten uns eingestehen, wie verletzt wir in Wirklichkeit sind und ohne doppelten Boden fühlen, was das bedeutet.Dass wir keine Ahnung haben und keinen Halt.

Wir kennen kein Gehaltensein

Weil in uns niemand ist, der uns auffangen kann, wenn wir fallen. Weil wir Verlorene sind, die sich vor sich selbst schützen wollen. Weil wir uns selbst nicht aushalten. Weil in uns jemand eingepflanzt ist, der uns stets kritisiert, kommentiert und jeden Gedanken, jede Gefühlsregung bewertet. Nach Kriterien, die nicht unsere eigenen sind. Wir quälen uns selbst zu Tode.

Wir sind so allein und verloren in uns und nehmen das im von sich selbst abgelenkten Vergnügungs- und Darstellungswahn einer egozentrischen Konsumentenwelt noch nicht mal wahr. Wir leben als Fassaden, die einer scheinbar gelebten Vergangenheit nachtrauern und in eine vermeintlich bessere Zukunft streben. Dabei machen wir uns mit hochgezogenen Mundwinkeln im hippen Selfiewahn gegenseitig vor, wie glücklich wir sind.

Mit dem Finger zeigen wir nach draußen, um dort die Schuldigen zu finden, die uns immer wieder falsch sprechen und die wir immer wieder anklagen. Doch so lange wir nicht merken, dass es kein „da draußen“ gibt, werden wir uns weiter gegenseitig selbst auf jede erdenkliche Weise Schmerzen zufügen. Bis wir sie entweder endlich fühlen können und innehalten, oder dabei zu Grunde gehen.

Womit in Dir stehst Du in Resonanz?

Du erfährst die Welt als Dich selbst. Als die Erfahrung Deines Lebens. Jede einzelne Regung in Dir ist eine Antwort auf Dich. Es gibt keinen Buddha – kein Heil  außerhalb von Dir. Keine Trennung davon. Es gibt keine Welt außerhalb von Dir. Du bist heil-ig. Du bist die reine Buddhanatur selbst. Dieser Gedanke landet nur in einem für sich selbst offenen Geist.

Wenn Du anfängst wirklich zu fühlen, was die ewigen Selbstverurteilungen mit Dir machen, das Anpassen an eine gegebene Welt, das Nichtbekenntnis zu Dir selbst, die Angst davor in Dir für Dich allein zu stehen, eröffnet sich Dir ein neuer Erfahrungshorizont.

Du fühlst Deine Anwesenheit in all der aufgesetzten gedanklichen Ordnung einer scheinheiligen Innen – und Außenwelt. Diese reine Anwesenheit ist nichts als das Heilsein, das alles Unheile empfängt und in sich erlöst. Kein Respekt vor einem außenstehenden Buddha vor einem jenseitigen Gott und damit vor einer Wahrnehmungskonditionierung, die uns in der Versklavung einer die Materie anbetenden Gedankenwelt hält, die blind ist für das Wunder unserer feinststofflichen Herkunft und das unfassbare Mysterium der Lebendigkeit.

In Verbundenheit, Nicole

 

 

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2 Kommentare

  1. Sabine Matuschka

    Nach dem Motto (ich glaube im Zen): Wenn du Buddha triffst – töte ihn.

    Danke dir und Daniel, Nicole, für eure unermüdliche Hingabe.

    Antworten
    • IchSelbstSein

      Ganz genau, liebe Sabine 🙂 Danke für Deine Wertschätzung! LG Nicole

      Antworten

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