Wildes Erwachen

von | Jul 31, 2020 | SELBST | 0 Kommentare

Ich begegne immer wieder Menschen, die glauben erwacht zu sein hat die Auswirkung, immer liebevoll, freundlich und problemfrei durchs Leben zu gehen. Ich gehe, zum Beispiel, nicht auf jeden Kommentar ein, sondern nur, wenn er mir etwas sagt. Ich gebe nicht auf jede Regung ein Herzchen, sondern nur wenn sie mich berührt. Ich beantworte nur dann eine Anfrage, wenn sie mich betrifft. Das macht mein Leben einfach, klar und direkt. Und das ist so, weil in mir etwas erwacht ist, das sich selbst wahrnimmt.

Und darum geht es beim Erwachen. Ich entdecke mich selbst als Wahrnehmung. Ich nehme meine Gedanken und Gefühle wahr. Das sind nicht mehr nur Gedanken und Gefühle, die mich sprechen und handeln lassen. Die Wahrnehmung all dessen ist jetzt anwesend. Und das macht einen fundamentalen Unterschied darin, wie ich die Welt erfahre. Ich, Wahrnehmung, bin jetzt
anwesend in mir und das heißt hier, da, wo ich bin.

Wenn gesagt wird, dass wir Liebe sind, bezieht sich diese Aussage auf eine grundlegende Qualität von Wahrnehmung selbst. Nicht auf eine Eigenschaft von ihr.

Wahrnehmung selbst hat keine Eigenschaften, denn in ihr taucht alles auf.

Farblos, wie Wasser

Sie ist wie Wasser, das keine Farbe hat, aber jede Farbe, die hineingegeben wird, wiedergeben kann. Das geht nur, weil Wasser selbst farblos ist.

So bin ich. Stille, in der ich mir als Gedanke und Gefühl erscheine. Und das ist immer so, ob ich mir dessen bewusst bin oder nicht. Sobald ich mir dessen aber bewusst werde, erwacht Wahrnehmung zu sich selbst. Und ich komme zu mir.

Hier kann ich jede Verurteilung sehen, die ich mir antue. Ich sehe die Gedankenmuster, die mich handeln lassen, wie ich gar nicht will. Ich sehe die immergleichen Verhaltensmuster, die mich gefangen halten. Die meine Aufmerksamkeit immer wieder an sich reißen und so zu meinen Meinungen und Ideen und meiner Lebensrealität führen.

Inneres Sehen ist die Kraft

Dieses „Sehen“ macht den Unterschied. Doch wir übersehen es so lange, weil es eben so gar nicht „etwas“ ist. Es hat nur Qualitäten.

Liebe, weil Wahrnehmung nie wegsieht und somit nichts ablehnt.

Klarheit, weil darin alles deutlich als es selbst erscheinen kann.

Schönheit, weil Wahrnehmung an sich ein tiefes Mysterium ist, unfassbar in seinem ungreifbaren Dasein. Es ist die Selbstberührung, das unmittelbare Erleben dessen, was auftaucht, was (in freier Form) als Schönheit sichtbar wird.

Eintritt in mich selbst …

Auf mich bezogen bedeutet das: Ich sehe nicht mehr weg, egal, was in mir erscheint, ich komme nicht mal mehr auf die Idee. Alles darf sein. Ich schaffe mir mein Zuhause in mir. Ein Zuhause, in dem alles willkommen ist, was ich fühle und denke und empfinde. Ich sehe jede Kritik, jeden Selbstzweifel, jedes undurchschaute Wollen und Tun. Allein durch das Sehen kann ich es fallen lassen. Ich erkenne also die erhobene Hand gegen mein Kind, noch bevor sie zuschlägt. Und lasse sie fallen. Denn genau so ist es, wenn ich mich selbst fertig mache. Ich schlage „mich“.

Aus der Perspektive des Lebens betrachtet ist das völlig absurd. Warum sollte es gegen sich selbst vorgehen? Das tut es einfach nicht. Oder nur so lange, wie es nicht durchschaut ist, als Reaktion auf Gedankenkonstrukte, die angelernt und nicht natürlich gewachsen sind.

In erwachter Wahrnehmung für mich selbst verschwindet jedes Urteil über mich und es darf aufsteigen, was sich in mir wirklich fühlt und denkt. Es wird nicht mehr kommentiert. Ich darf sein, wie ich bin. Das macht das Leben einfach, klar und direkt. Erwachen ist wild und ungezähmt, weil es alles so lässt, wie es ist. Keine künstliche Kultivierung, keine Zähmung. Weil das nicht nötig ist.

Gelassen – Sein

Ein Mensch, der sich lässt, wie er ist, zu sich steht und nichts erklären muss, weil er nichts erklären kann, ist wahrhaft entspannt. Er muss sich nicht rechtfertigen. Er tut nur, was ihm entspricht. Ich kann nicht erklären, warum ich dieses und jenes fühle. Oder denke. Warum ich dieses mag und jenes nicht. Es ist einfach so. Und wenn ich das nicht mehr in richtig und falsch beurteile, bin ich authentisch und darin gelassen. Ein gelassener Mensch fühlt sich selbst nah. Er lässt sich in der Freude wie im Schmerz, er lässt sich in seinem Sosein. Und wird natürlich. Natürlichkeit ist nicht hart oder weich oder lieb oder nicht lieb. Sie ist, wie sie sich zeigt.

Und das ist die Entdeckung, die man nur machen kann, wenn man zu sich selbst als der stille See erwacht, in dem alles auftauchen kann, was will. Hier lasse ich Dich sein, wie Du bist. Ich muss Dich nicht korrigieren, weil ich nichts von Dir will. Ich bin wie ich bin und Du darfst sein, wie Du bist. Entweder berühren wir uns darin oder nicht. Unsere Verbindung wird direkt, offen und ehrlich. Diese wunderschöne Gelassenheit will sich nicht mehr verlassen. Für nichts auf der Welt. Das ist die wilde Freiheit, die als stille Wahrnehmung meiner selbst in mir Platz genommen hat.

In Verbundenheit, Nicole

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